Leseproben „Der Cousin im Souterrain“Auf dieser Seite können Sie einige Auszüge aus unserem zweiten Buch „Der Cousin im Souterrain und andere seltsame Liebesabenteuer“ lesen: Der Cousin im SouterrainAuszug aus der Geschichte von Susanne Posse [...] Gabi grinst von einem Ohr zum anderen. „Das ist doch Georg, unser verrückter Cousin.“ „Wieso isn der verrückt? Sieht doch ganz normal aus.“ „Najaaa...“ Sie beugt sich vertraulich zu mir und ich rieche den trockenen Weißwein, von dem wir beide schon ein bisschen zu viel getrunken haben. „Klar sieht der normal aus. Aber er hat doch diesen Tick mit den Beinen.“ Dass ich mir darunter nichts vorstellen kann, muss von meinem Gesicht abzulesen sein. Ich gucke kurz zurück zu Georg, der jetzt zusieht, wie ein paar Gäste in der Mitte des Saales tanzen. Sein Blick ist eher nach unten gerichtet und leicht glasig. Gabi stößt mich wieder an und ich hasse das, aber ich will wissen, was sie an Familientratsch auf Lager hat. „Er steht auf Frauenbeine. Immer schon.“ „Ja und, das tun doch alle Kerle?“ „Nicht so wie Georg. Der ist total besessen! Guck doch nur mal, wie er die Frauen beim Tanzen beobachtet. Er hat nur Augen für ihre Beine.“ Ich schaue sehr unauffällig zurück zu Georg, der tatsächlich seinen Blick nicht vom Parkett nehmen kann. Jetzt lässt er sogar seine Serviette fallen, nur damit er eine bessere Aussicht hat. Ich fühle ein seltsames Gefühl in mir aufsteigen etwas zwischen Lachreiz und Aufregung. „Tatsächlich!“, flüstere ich und beiße mir auf die Lippen, um nicht laut zu kichern. Gabi hält sich da nicht so vornehm zurück. „Der ist so schräg! Achtung, jetzt hat er entdeckt, dass wir auch Beine haben!“ Ich drehe mich um zu ihm, als er sich gerade wieder aufrichtet, nachdem er offenbar zuvor einen Blick unter die Tischdecke riskiert hat. Seine Augen funkeln, mein Atem beschleunigt. Ich fühle, dass meine Bäckchen rot werden, und das nicht nur vom Wein. Georg bleckt seine Zähne, nimmt den Dessertlöffel vom Tisch und lässt ihn aus erhobener Hand zu Boden fallen. Dann geht er auf Tauchstation. [...] Oh Happy DayAuszug aus dem Text von Eva Encke [...] Wir schrieben uns. Du erzähltest mir von deiner Freundin, ich dir von meinem Freund. Ab und zu sahen wir uns, selten, aber das Band blieb, so wie damals auf deinem alten, durchgelegenen Bett und mit dieser Musik, die uns glücklich machte, einfach nur, weil wir sie hörten. „Oh happy day“. Ein paar Jahre später trafen wir uns zufällig bei Biggi, die inzwischen weit weggezogen war. Wir waren uns gleich wieder vertraut. An diesem Tag haben wir stundenlang geredet. Wir hatten immer noch dieselben Partner, aber zögernd gestanden wir uns, dass wir auch eine gegenseitige Anziehung spürten. Da war etwas. Wie eine leise Melodie, die man singen möchte, aber nicht ganz kennt. Eine unbekannte Tonfolge. Wie eine Saite, die berührt wird und verklingt, ohne richtig gehört worden zu sein. Jetzt sitze ich wieder auf deinem Bett, bei dir. Die Melodie klingt im Hintergrund. Ich will dich erinnern, erinnern an damals, als wir glücklich waren, voller Erwartungen an das Leben. Wir sind schon ein gutes Stück weitergegangen, haben manches erreicht, haben glückliche und auch schwierige Zeiten hinter uns. Ich rede mit dir, erzähle von mir, von meiner Familie, meinem Beruf. „Weißt du noch?“, frage ich und spanne damit wieder das vertraute Band zwischen uns. Spüre die Zuneigung. Ich nehme deine Hand, wir verschränken die Finger. „Diesen Song habe ich immer gehört, wenn ich mal schlecht drauf war. Er hat die Botschaft, es wird alles besser werden. Oh happy day. Ein glücklicher Tag, vielleicht heute, oder später?“. Er drückt meine Hand und sagt mir damit, er versteht mich. Ein glücklicher Tag? [...] Foxy LadyAuszug aus dem Text von Silvana Richter [...] Sie ließ Rainers Hände gewähren, die offenbar fanden, dass ihr Bikinioberteil nun nicht mehr notwendig war. Bei ihrem Höschen war Jenny anderer Ansicht. Doch Rainers Argumente klangen so logisch: Sie war kein kleines Kind mehr, er liebte sie und sie ihn und am nächsten Tag schon war sein Urlaub zu Ende. Natürlich würde er ihr schreiben und sie mit seinem Auto an den verlängerten Wochenenden besuchen. Doch wozu sehnsüchtig auf etwas warten Schließlich käme auch kein Mensch auf die Idee, ein Glas Wasser vor der Nase für später aufzusparen, wenn er vor Durst schon halb wahnsinnig war. Jennys zaghafte Erwiderungen waren lahme Gummienten dagegen. Kein Wunder, dass sie in den Gefühlswogen absoffen, als hätte man ihnen den Stöpsel aus dem Hintern gezogen. Selbst das energische Klopfen der Zimmerwirtin mit dem verbundenen Hinweis auf unerwünschte Damenbesuche konnte nicht mehr verhindern, dass die bleichen Flecken auf dem Laken um einen roten vermehrt wurden. Auf jeden Rausch folgt die Ernüchterung. Eine Erkenntnis, die sich wie Jenny feststellen musste nicht nur auf den Genuss von Cola-Rum bezog. Statt sie an der streng blickenden Signora vorbei zurück zum Strand zu begleiten, schob Rainer sie einfach vor die Tür. Und statt sie mit dem erwarteten leidenschaftlichen Kuss zu verabschieden, musterte er sie gelangweilt und sagte: „Weißt du, wie man ein Mädchen nennt, das mit jedem sofort ins Bett geht?“ Sie starrte mit offenem Mund auf seine weichen Orangen-Lippen, die fünf Buchstaben zu einem Eiswürfel formten, den er ihr ins Gesicht spuckte. Sie klappte die Kiefer ein paar Mal auf und zu, würgte den Brocken hinunter und rannte hinaus. Doch das Eis fror in ihrer Kehle fest, bis sie fast daran erstickte.[...] Gestohlene StundenAuszug aus dem Text von Heike Wulf [...] Wir sehen uns selten, und wenn, sprechen wir kaum miteinander. Doch wir nehmen uns wahr. Wir berühren uns nicht. Auch nicht zufällig. Nur zur Begrüßung geben wir uns flüchtig die Hand. Und auch danach, nach dieser Nacht, dieser krampfhafte Versuch, sich nicht zu berühren, nur nicht nebeneinanderzusitzen. Aber es beruhigt mich auf eine subtile Art, wenn du da bist. Es wirft mich nicht aus dem Gleichgewicht, macht mich auch nicht nervös. Aber es freut mich ein bisschen, ja! Wenn du nicht da bist, kann ich es nicht ändern. Ich warte nicht sehnsüchtig auf dich. Würde ich das machen, dann wüsste ich, dass ich was tun, irgendwas verändern muss. Aber so läuft alles, wie es laufen soll. Ich bin glücklich mit Sascha und alles ist ganz einfach. Wirklich einfach? Oder nur in meiner Phantasie, oder in Filmen, die ich sehe, und Büchern, die ich lese? Oder in dem Leben anderer Menschen, die ich deswegen beneide? Dabei weiß ich wahrscheinlich nur nicht, was wirklich los ist. Vielleicht spielen sie alle genauso ein Spiel wie ich. Seit diesem Abend. [...] Große LiebeAuszug aus dem Text von Iso Schröder Großonkel Heinz hatte Tante Evi schon immer geliebt. Meistens merkte ich den Erwachsenen gar nicht an, ob sie sich liebten oder nur so taten, und auch nicht, ob sie sich spinnefeind waren. Aber Onkel Heinz und Tante Evi hatten sich so heftig geliebt, dass sogar ich es mitbekam. Damals wurde mir klar, dass es nicht normal war, sich für immer so heftig zu lieben. Man liebte sich fünf oder sechs Jahre, und dann ließ man sich scheiden und die Leute sagten: „Die armen Kinder sind immer die Leidtragenden.“ Dann hieß es: „Ich hab s ja immer gewusst, dass der Helmut ne andere hat“, oder: „Hab ich s nicht gesagt, die Jacqueline macht den fertig mit ihrem Plüschteddy-Spleen“, und dann waren der Helmut und die Jacqueline plötzlich geschieden und keiner verlor mehr ein Wort darüber. Aber über Onkel Heinz und Tante Evi zerreißen die Verwandten sich noch heute das Maul. Ich erinnere mich, dass, wenn Onkel Heinz in der Nähe war, geschwiegen oder hysterisch vom Wetter geredet wurde, und, sobald er mal aufs Klo musste oder heimging, über ihn und Tante Evi getratscht wurde, auch als die schon lange tot war. Wenn ich fragte, was denn damals passiert ist, wurde bedeutungsschwanger geschwiegen oder gesagt, das wäre nichts für mich, das könnte ich noch nicht verstehen. [...] Erst Jahre später, als er im Krankenhaus lag und wusste, dass er es nicht mehr lebend verlassen würde, erzählte Onkel Heinz mir, warum alle immer so getuschelt hatten. BettgeflüsterAuszug aus dem Text von Ursula Posse-Kleimann Während Günter sich auf ihr anstrengte, ertappte Elvira sich plötzlich dabei, dass sie sich langweilte. Sie hatte tatsächlich geguckt, ob die Gardine mal eine Wäsche nötig hatte! Günter störte sie nicht wirklich beim Nachdenken, er kam gut allein zurecht. Sie schaute über seine pumpende Schulter und an seinem leicht geröteten Ohr vorbei. Ihre Handflächen streichelten seinen Rücken. Trocken. Ziemlich trocken. Früher hatte er gedampft vor Schweiß! Sie klopfte ihm auf die Schulter. Er hielt inne, stemmte sich hoch und sah sie an, mit einer gewissen Irritation im Blick. „Ist was?“ „Sag mal, Günter, ist dir das nicht auch langweilig?“ [...] [zurück zu "Der Cousin..."] [zurück zu "aktuelles"] HOME |